Fachberatung im Aufbruch

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Verortung – Herausforderungen – Empfehlungen

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Beschreibung

In der aktuellen Fachdiskussion werden FachberaterInnen immer wieder als ein zentraler Schlüssel zur weiteren Qualitätsentwicklung in der institutionellen Kindertagesbetreuung herausgestellt: Sie initiieren und begleiten konsequent den Qualitätsentwicklungsprozess in den KiTas, fungieren als Bindeglied zwischen Forschung und KiTa-Praxis, zwischen KiTa und Träger sowie zwischen KiTa/Träger und der Politik. Übergreifend bilden sie auch eine öffentlichkeitswirksame Lobby für das Thema der frühkindlichen Bildung. Nicht zuletzt leisten FachberaterInnen so einen wichtigen Beitrag dazu, dass Kinder im Osten und Westen, im Süden und Norden der Republik die gleichen Entwicklungs- und Bildungschancen in den Einrichtungen bekommen.

Heterogenes Berufs- und Spannungsfeld
Soweit das Ideal. Doch die Realität ist (noch) eine andere: Fachberatung ist ein äußerst heterogen aufgestelltes und weithin ungeregeltes Feld. Sowohl im Hinblick auf die Anzahl der jeweils zu begleitenden KiTas als auch die jeweiligen Aufgabenstellungen gibt es extreme Unterschiede. Die Aufgaben reichen – oft spannungsvoll gekoppelt – von der klassischen Beratung und Begleitung über Weiterbildung, Verwaltungsaufgaben und die Implementierung von Qualitätsmanagementsystemen bis hin zur Dienst- und Fachaufsicht.

Für FachberaterInnen gibt es weder eine Ausbildung noch ein Studium, und erst vereinzelt werden spezifische Weiterbildungsmaßnahmen angeboten. Die rechtliche Verankerung der Fachberatung auf Bundesebene und auf den Länderebenen ist weitestgehend unverbindlich oder auch gar nicht vorhanden. So hängt die konkrete Ausgestaltung der professionellen Rolle letztlich in starkem Maße von den Ressourcen und Vorstellungen der einzelnen Träger ab. Nicht selten müssen oder dürfen FachberaterInnen sich auch heute noch ihre Arbeitsplatzbeschreibungen selbst formulieren – was einerseits der individuellen und flexiblen Anpassung an vorhandene Kompetenzen und Strukturen entgegenkommt, andererseits aber einer weitgehenden Beliebigkeit Vorschub leistet.

Initiativen zur Professionsentwicklung auf Landes- und Bundesebene
In diesem Sinne ist Fachberatung noch weit entfernt davon, eine eigenständige Profession mit akademisch-wissenschaftlicher Ausbildung, einem definierten Grundverständnis oder berufsständischer Vertretung zu sein. Doch unübersehbar ist das Feld der Fachberatung gerade in den vergangenen zwei bis drei Jahren deutlich in Bewegung geraten, und es gibt eine positive Aufbruchsstimmung. So steht die Fachberatung zunehmend im Fokus der wissenschaftlichen und bildungspolitischen Debatte, wozu auch die Diskussionen, Expertisen und Konzeptionen rund um das Bundesqualitätsgesetz sowie um die Reform des SGB VIII beigetragen haben. Sowohl auf Bundesebene als auch auf Länderebene gibt es zum Beispiel im Rahmen des Deutschen Vereins, der Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit oder auch jüngst der Kinder- und Jugendstiftung konkrete Ansätze zur Vernetzung und trägerübergreifenden Selbstorganisation der Fachberatung. Das nifbe selber begleitet in Niedersachsen seit einigen Jahren intensiv den Weg der FachberaterInnen auf dem Weg zu einem gemeinsamen Professionsverständnis und zu einer berufsständischen Vertretung.

Aktuelle Bestandsaufnahme und Perspektiventwicklung im Buch
Mit diesem Buch wird nun aus unterschiedlichen Perspektiven das facettenreiche Feld der Fachberatung näher beleuchtet. Neben einer grundsätzlichen Bestandsaufnahme des Arbeitsfeldes und einer bildungspolitischen Einordnung nehmen die AutorInnen die für Fachberatung notwendigen Kompetenzen und vorherrschende Beratungstypen in den Blick und zeigen historische wie aktuelle Entwicklungen auf. Sie geben konkrete Empfehlungen, wie Fachberatung aufgestellt sein muss, um sich zu einem konsistenten und nachhaltigen Unterstützungssystem für die KiTas, aber auch für Träger und Politik zu entwickeln und damit den aktuellen wie zukünftigen Herausforderungen gerecht werden zu können. So bietet dieses Buch Orientierung für das sich im Aufbruch befindliche Feld und markiert wichtige Meilensteine auf dem Weg der Fachberatung zur Profession.

nifbe (Hrsg.): Fachberatung im Aufbruch. Verortung – Herausforderungen – Empfehlungen. Herder 2018, 160 Seiten.